Wir fuhren in Yucay los in Richtung Cusco. Nach drei Ortschaften machten wir einen Stopp, denn zu einem Peru-Besuch gehört dazu, dass man die einheimischen Spezialitäten kostet. Meerschweinchen war diesmal dran. Es gab einige Verweigerer und der Rest teilte sich ein Tierchen.

Die Bauern haben die Tiere in der Küche herumlaufen, also immer zur Hand, wenn überraschend Gäste kommen. Vor dem Grill werden die Meerschweinchen natürlich ausgenommen und gerupft. Die Haare lassen sich angeblich so am Besten entfernen.

Die Schwarte war nicht wie bei einem Schweinsbraten knusprig, sondern ziemlich ledrig, das Fleisch ganz o.k. Zu meinem Lieblingsessen wird die Speise sicher nicht.

Erraten, es ging wieder über einen Pass.

Angebaut wird auch heute noch auf alten Inkaterrassen.


Wir machten eine kurze Mittagsrast für einen Snack.

Die Bäckerin ist berühmt für ihre Empanadas mit fünf verschiedenen Inhalten von scharf bis süß, hergestellt aus verschiedenen miteinander vermischten Mehlsorten. Dieses als Hauptmahlzeit kann ich mir weitaus besser vorstellen, als die Meerschweinchen, die auch hier herum wuselten.

Als Getränk dazu bekamen wir den Sud aus gekochtem schwarzen Mais, auch Purpurmais genannt (dieser selbst ist zu hart und kann nicht gegessen werden) vermischt mit Saft aus Quittenschalen, Apfelstückchen samt Zimt und Gewürznelken. Das Getränk Chicha morada (dessen Namen ich mir natürlich nicht gemerkt habe, doch die beste Ehefrau von allen schon) ist hervorragend. Es soll (unbewiesen) blutdrucksenkend sein. Was schon bewiesen ist, dass es hemmend wenn nicht gar zerstörend auf Enddarmkrebszellen wirkt.

Weiter ging es durch die Ebene…

…und wieder einmal aufwärts bis wir an einer Fair-Trade-Gemeinschaft ankamen, die einerseits Lamas und Alpakas sowie die wilden Arten davon züchten, andererseits Handwerksprodukte aus den verschiedenen Dörfern, die sich im Umkreis von 100 km dem Handel angeschlossen hatten, vermarkteten.




Nein, wieder falsch. Auch kein Selfie.

Die Garne werden ausschließlich nach alten Methoden mit Naturfarben (wie Pflanzen, der Kaktuslaus, Schnecken) gefärbt.


Unser letzter Besichtigungspunkt vor Cusco auf 3400 m, wo wir zwei Nächte verbringen wollten, war die Inkafestung Sacsayhuamán. Manche bestreiten, dass es als Festung diente, sondern eher ein Heiligtum war. Wie auch immer. Während der spanischen Eroberung wurde die Anlage teilweise zerstört.

Bewundernswert ist die Bauweise der Mauern.


In drei übereinander liegenden Reihen wurden Zickzackmauern aufgebaut, die 600 m lang sind. Die untere Mauer ist 9 m, die mittlere 10 m und die obere 5 m hoch. Zum Bau der Mauer wurden riesige Steine von den 20 km entfernten Steinbrüchen herantransportiert und dann bearbeitet, bis sie fugenlos aneinander passten. Der größte Stein ist 9 m hoch, 5 m breit, 4 m dick und wiegt über 200 Tonnen. Während der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, in 70-jähriger Bauzeit sollen hier 20.000 Menschen gearbeitet haben.

Die Passgenauigkeit der tonnenschweren Felsen ist enorm. Australier haben festgestellt, dass auf 2 m Länge die Fuge zwischen den Steinen nie größer als 0,5 mm beträgt. Irre. Man weiß nicht, wie die unregelmäßigen Gebilde (siehe oben) derart genau zueinander angepasst wurden, noch dazu von zumeist Bauern, die immer drei Monate lang für den Inka (=Herrscher) Frondienst leisten mussten.

Die Steine wurden nicht nur in einer Richtung eingepasst, sondern auch in den Ecken gingen Steine um die Ecke herum. Dadurch bekam die Konstruktion eine große Stabilität und Widerstandskraft gegenüber Erdbeben.

Hinter den Wällen liegt ein großer Platz, auf dem auch heute noch jährlich am 24. Juni das Sonnenfest gefeiert wird, an dem auch die Präsidenten teilnehmen.
Wir beschlossen nicht mit dem Bus runter nach Cusco zu fahren, sondern zu Fuß zu gehen.




Morgen wollen wir die Stadt besichtigen.



