Am Vormittag gab es die letzten geführten Besichtigungen auf dieser Reise, den Nachmittag hatten wir frei, damit sich diejenigen, die schon bisher unter Shoppingwut litten, noch einmal austoben konnten.

Es ging zuerst zum Coricancha, dem Platz, dem heiligsten Hauptort der Inka, der dem Sonnengott Inti gewidmet war. Dieser Sonnenhof war der wichtigste Tempel in der Inka Hauptstadt Cusco. Ihr seht nur etwas basilikaähnliches? Stimmt schon, denn die Conquista zerstörte den Tempel, der unter Pachacútec im 15. Jahrhundert mit hunderten Goldplatten bestückt war.
Ein Erdbeben 1650 erledigte den Rest bis auf die Grundmauern, auf denen dann von den Spaniern das Convento de Santo Domingo aufbauten. Ein weiteres Erdbeben beschädigte die Kirche und legte längst vernichtet geglaubte Mauerreste wieder frei.

Auf dem Platz, der heute von Arkaden eingegrenzt wird, haben die Inka Hochzeiten, Bestattungen, Krönungen und Riten von Bedeutung gefeiert. Die Inkas durften den Platz nur barfuß und mit einer Last auf dem Rücken betreten, womit sie ihre Demut zeigten. Darüber hinaus mussten sie nüchtern sein.

Im Tempelinneren befanden sich viele Schätze, unter anderem auch eine goldene Sonnenscheibe, auf goldenen Thronen in Nischen saßen mit goldenen Masken und feinsten Gewändern Königsmumien. Die Sonnenscheibe in Gestalt eines Mannes war vor einer goldenen Wand, die mit Smaragden und Türkisen geschmückt war, so aufgestellt, dass die aufgehende Sonne ihr blendend goldenes Licht reflektierte.
Der benachbarte Raum war mit Silber ausgeschlagen und der Mondgöttin Mama Killa gewidmet, die auch in Form einer weiblichen Platinscheibe in Frauengestalt aufgestellt. In den Wandnischen befanden sich die Mumien der Königinnen aufgestellt. Diese Scheiben waren mit 10 m Durchmessern nicht gerade klein und mit zirka 900 kg auch nicht leicht.
Außerhalb dieser Räume befand sich ein heiliger Garten der mit lebensgroßen Figuren aus Gold von Menschen, Tieren und Pflanzen geschmückt war. Brunnen aus Gold, Blumen mit Edelsteinen, Wiesen mit täuschend echten Grashalmen aus Gold…
Wo das alles gelandet ist? Fragt nach bei den Spaniern. Das wenigste wurde unzerstört nach Spanien verschifft, das meiste eingeschmolzen um es besser transportieren zu können.

Obiges ist eine Replik einer Tafel, die darstellt, wie sich die Inka das Leben vorstellten. Die Kartoffel in der Mitte oben symbolisiert das Leben, links die Sonne, rechts der Mond, darunter der Stern des Südens, die Menschen, Tiere, Früchte und gewebtes Tuch für den Tod.

Wir schauen des Nachts zum Himmel, sehen die Sterne und interpretieren die hellen Sternkonstellationen zu Sternbildern. Die Inkas stellten sich die Milchstraße als Fluss des Lebens vor. Die dunklen Flecke wurden von links als Hirte, daneben Fuchs, vor ihnen das Lama, das den Fluss austrinkt, sonst würden alle ertrinken, darunter ein junges Lama, vorm Lamakopf ein Steinhuhn, darunter ein Frosch und zum Ende nach rechts hin die Schlange, interpretiert.
Im ersten Stock wurde zwar renoviert, aber wir konnten vom Chor aus einen Blick in die Kirche werfen. Natürlich durfte man nicht fotografieren…


Wieder im Freien führte eine kleine Prozession zu Ehren irgend eines Heiligen vorbei. Gibt ja bekanntlich jeden Tag mindestens einen zu feiern, wenn man will. Und feiern wollen die Peruaner immer.
Wir besuchten auch die Kathedrale von Cusco, die ebenso auf der Basis eines alten Inkatempels aufgebaut wurde und seit 1983 selbstverständlich auch zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Im Inneren gilt natürlich wieder strengstes Fotografierverbot mit Rauswurf, wenn man es nicht befolgt. Ich folgte brav.
Die einheimischen Maler haben die aus Spanien importierten Bibelszenen in die Andenwelt übertragen und interpretiert. Jesus bekam immer so etwas wie ein schmuckes Tütü um die Lenden, denn man konnte einen Gottessohn doch nicht mit einem windelartigen Tuch darstellen.
Ein anderes Beispiel habe ich von der Eintrittskarte abfotografiert:

Das letzte Abendmahl. Und was liegt mitten auf dem Tisch? Ein gebratenes Meerschweinchen.

Vor der Kathedrale fand eine Schultanzveranstaltung statt. Verschiede fünfte und sechste Klassen führten ihre Tänze in Tracht vor, die anderen schauten in Schultracht zu.
Nach der Vorführung gab es Fotoshooting.


Den Rest des Tages bekamen wir Freigang und begaben uns zuerst in ein Kaffeehaus und danach nach San Blas dem Künstlerviertel. Dieses war enttäuschend und so besuchten wir noch das Museum für präkolumbianische Kunst.
Der Eintritt kostete 20 Sol pro Person. Wir hatten aber nur mehr 30. So erkundigte sich die beste Ehefrau von allen nach einem Seniorentarif, was nur ein müdes Lächeln hervorrief. Das gäbe es nicht. „Gut, dann bin ich Studentin,“ meinte darauf meine Beste. So kamen wir mit 30 Sol ins Museum.


Es wurden nicht sehr viele, dafür aber exquisite Stücke ausgestellt. Die 30 Sol hatten sich gelohnt.



Am Abend kehrten wir in ein Restaurant ein, das uns typische Andenküche bot und in dem wir unseren Abschied von Peru feierten, denn morgen Abend fliegen wir wieder zurück nach Wien.



