Nach dem Frühstück wurden wir von einem Schamanen geschult. Er zeigt uns, wie man die Götter besänftigt und den Einklang zwischen Mensch, Himmel und Erde herstellen kann. Für die Inkas ist die Erde nicht bloß Lebensraum, sondern als Pachamama (Mutter Erde) heilig. Ein Schamane ist immer der Vermittler zwischen Menschen und Natur. Sie werden auch als Heiler herangezogen und nicht zuletzt können sie auch die Zukunft aus heiligen Steinen oder Kokablättern lesen. Doch dem Ayahuasca-Ritual das in der Amazonasregion heimisch ist, möchte ich mich lieber nicht unterziehen. Durch den psychoaktiven Pflanzentrank der für tiefe spirituelle und psychische Reinigungserfahrungen genutzt wird, kann es zu medizinischen Notfällen und sogar zum Tod kommen.

Also lieber Opfergaben für Pachamama und die Apus (Schutzgeister der heiligen Berge) entrichten.

Zuerst wird mit der Pututu, einem Blasinstrument aus der großen Gehäuseschnecke Strombus die Aufmerksamkeit von Pachamama und den Apus herbeigeführt, dann durften wir die verschiedenen Opfergaben wie jeweils drei Kokablätter (versehen mit unseren Bitten und Wünschen), Mais, Saubohnen, Körnern auf ein Blatt Papier streuen.

Das alles wurde eingewickelt, mit Gebimmel und frommen Gebeten zu einem vorher ausgegrabenen Loch getragen und versenkt, danach mit Chicha (Maisbier) und Wein getränkt und das Loch wieder verschlossen.

Fertig. Interessant, dass der Schamane auch Jesus in seinen Worten mit einbezog, denn der alte Glaube wird lebhaft mit dem katholischen der Spanier vermischt, das sieht man umgekehrt in den Kirchen genauso, wo beispielsweise das Christuskind mit Opfergaben wie einem Plastikcaterpillar, Puppen oder Lollipops beschenkt wird.
Wir stiegen wieder in den Bus und fuhren -wie könnte es anders sein, wieder über einen Pass und danach ins heilige Tal.


Das heilige Tal verdankt im Wesentlichen aus drei Gründen seinen Namen:
Die Inkas, die große astronomische Kenntnisse besaßen, glaubten, dass der Fluss das irdische Spiegelbild der Milchstraße sei und errichteten Tempel und Städte so, dass sie bestimmten Sternbildern glichen.
Der Boden ist aufgrund seines milden Klimas der fruchtbarste im ganzen Reich und somit ein göttliches Geschenk.
- Das Tal ist von riesigen Berggipfeln flankiert, die wie gesagt Apus hießen und als Götter/Schutzgeister verehrt wurden, die über die Menschen wachten.


Weiter ging es zu den Terrassen von Maras, das sind auch heute noch hunderte genutzte Salzterrassen aus der Inkazeit. In die Becken wird salzhaltiges Bergwasser geleitet. Das Wasser verdunstet, das Salz lagert sich ab und wird aus den Pfannen geerntet.


Ein Salzbecken (die gerecht unter den örtlichen Familien aufgeteilt wurden) produziert durchschnittlich 150 bis 200 kg Salz pro Monat, natürlich nur außerhalb der Regenzeit, also von Mai bis Oktober, sonst wäscht der Regen alles weg. Die Anlage besteht aus bis zu 5.000 Becken, somit werden hier bis zu tausend Tonnen hochwertiges, handgeerntetes Speisesalz geerntet und wie das Himalayasalz weltweit exportiert.

Also Salz hätten wir genug, fehlte nur das zugehörige Essen. Weiter ging es in ein kleines Andendorf, einem unterstützten Projekt von Studiosus. Wir wurden bereits erwartet und freudig begrüßt, von den Frauen untergehakt und mit Musikbegleitung zum Versammlungsplatz des Dorfes geführt.


Der Dorfsekretär, ein 32-jähriger redegewandter Mann, berichtete vom Dorfleben, was gerade angebaut wird und was geerntet. Er zeigte uns auch die Knotenschrift der Inkas. Seit dem 7. Jahrhundert ist diese Zählmethode gebräuchlich und wurde noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts zur Buchhaltung eingesetzt. Heute ist dem Sekretär ein Taschenrechner lieber.
Danach wurde uns gezeigt wie einfach Adobe-Ziegel hergestellt werden: Der Boden wird aufgegraben, die Erde zerbröselt, mit Wasser einge“gatscht“, mit kurz geschnittenen Ichu-Gräsern vermischt, in eine Form gepresst und aus der Form wieder rausgestülpt.


So sollen die Ziegel 5 Tage trocknen, dann werden sie umgedreht und nach einer weiteren Woche irgendwo unter Dach gestapelt. Zum Bauen werden die Ziegel leicht angefeuchtet, mit der nassen Erde als Mörtel aneinandergefügt. Das wars. Für die Ästhetiker kann man mit der nassen Erde noch die Wände verputzen.
Jetzt wären wir dran gewesen Lehmziegel herzustellen. Nur es fanden sich keine Freiwilligen. Unsere Enkelkinder wären sofort mit Begeisterung dabei gewesen.
Weiter im landwirtschaftlichen Kurs. Auf zum Kartoffelfeld um Unkraut zu jäten und die Erde anzuhäufen bei den Kartoffelpflanzen.

Hier fand sich sofort eine Freiwillige: Die beste Ehefrau von allen litt offenbar schon unter Entzugserscheinungen nach unserem Hausverkauf im Waldviertel und machte sich ans Werk.

Dann war es genug mit der ehrenamtlichen Landwirtschaft und wir durften zum Essen. Dieses garte schon längere Zeit in einem Erdloch auf Steinen. Das Loch wurde aufgedeckt…

…die glühend heißen Steine entfernt…

…die Kartoffel und das Fleisch herausgeholt…

…geschnitten und mit Saucen angerichtet.

Es schmeckte hervorragend. Danach ging es weiter im Unterricht. Wir lernten ein paar Wörter in Quechua, der Sprache in den Anden neben Aymara und Spanisch.

Außer Anay, was soviel wie Danke heißt, habe ich mir leider nichts gemerkt. Somit war es wieder Zeit uns von den freundlichen und herzlichen Menschen zu verabschieden.

Mit Musik, Gesang und vor allem einen Ringelreihentanz wurden wir zum Bus begleitet.

Der Besuch in dem Dorf war für jeden von uns ein schönes Erlebnis und eine Bereicherung.



